Forum 9
Wie haben Sie sich da gefühlt?
Der Zeitzeuge als Quelle und Medium der Zeitgeschichte
In der wissenschaftlichen und öffentlichen Auseinandersetzung mit dem Holocaust spielen Zeitzeugen eine wichtige Rolle. Mit wachsendem zeitlichem Abstand verringert sich ihre Zahl naturgemäß. Dennoch lässt sich der Zeitzeuge aus der öffentlichen und insbesondere medialen Darstellung von Zeitgeschichte nicht mehr wegdenken. Seine Rolle hat sich jedoch in den vergangenen Jahrzehnten deutlich gewandelt: für jedes Thema der Zeitgeschichte wird häufig ohne Kontextualisierung auf den Zeitzeugen zurückgegriffen. Insbesondere in medialen Präsentationen suggeriert seine Aussage eine Authentizität, die oft bedeutsamer ist als seine Ausführungen zur Sache selbst. Steht der omnipräsente Zeitzeuge für das Ende der Geschichte? Zählen nur noch persönliche Betroffenheit und die individuelle Erinnerung? Lassen sich Zeitzeugen für die Präsentation von Vergangenem konstruktiv nutzen? Was bedeutet das Aussterben der Zeitzeugen für die Holocaust-Bildung, die bisher bei der Vermittlung insbesondere auf die emotionale Überzeugungskraft der Zeitzeugen gesetzt hat?
Podium: Michael Elm, Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt/M.; Wolf Kaiser, Leiter der pädagogischen Abteilung der Gedenkstätte Haus der Wannsee-Konferenz, Berlin; Dorothee Wierling, Stellv. Direktorin der Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg
Moderation: Juliane Wetzel, Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin
